Tilmann Abegg/Ruhr Nachrichten
Schock: Scheitern doch schön
Schauspiel „abriss, ruin, erlösung“ liebäugelt mit dem Misserfolg
Wenn ein Glas runterfällt, ist es kaputt. Aber man hat etwas gelernt: Festhalten, in diesem Fall. Außerdem gibt es diesen speziellen, platzenden Klang und das schöne Muster der Scherben auf dem Boden. So könnte man die Moral der Geschichte zusammenfassen, die Regisseur Nils Voges am Donnerstagabend im Schauspielhaus erzählt hat: ,,abriss, ruin, erlösung” in der Reihe Stadt ohne Geld.
Sebastian Graf betritt als Penner die Bühne, wirft die Decke ab, steht im weißen Einreiher da und beginnt, Textfragmente von Dante Alighieri, Foucault und anderen Weisen abzufeuern. Passagen über Erfolg, Misserfolg und den Umgang damit. Eine Szene spricht er, hart abwechselnd, in Zimmer- und in Stadionlautstärke: Das Publikum lacht, während der Text am Vortrag scheitert.
Graf selbst scheitert ebenfalls, meistens amüsant, oft einfallsreich. Am Ende eines Videos flackert plötzlich eine sehr blonde und sehr üppige Frau bei der Gymnastik ins Bild – bis Graf peinlich berührt herbeieilt und schnell auf Stop drückt. Philipp Maike, Gitarrist am Bühnenrand, verliebt sich bei einem Schmusesong in ein Rocksolo, das die Atmosphäre zerfetzt.
Gegen Ende schwenkt Graf textgeführt zum Ausweg aus dem ganzen Scheiter-Haufen: ,,Glück und Erfolg ist nicht dasselbe“, lehrt er. Das Glück entstehe im Wunsch nach etwas, aber wenn man’s dann erlangt, ist die Luft raus. Ebenso lehr- wie pointenreicher Abend.


